Das Herrenjournal

Das Herrenjournal, Cover von 1935Betrachtet man einmal das Aufkommen von Modemagazinen und -zeitschriften, so wird man schnell feststellen, dass sich sowohl in der Vergangenheit, wie auch in der Gegenwart, der unbedingte Großteil dieser Zeitschriften sich der Mode der Dame widmet. Ganz besonders trifft dies auf die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts zu. Lediglich vereinzelt finden sich Modezeichnungen und Artikel die Herrenmode betreffend in den bekannten Magazinen.

Der stilbewusste und garderobenaktuelle Herr musste seinerzeit auch nicht die neuesten Trends aus In –und Ausland auf der Straße beobachten. Er konnte sich hier einem, heute nicht mehr sehr bekannten, erstklassigen Modeführer bedienen: Dem Herrenjournal.

Als Pendant zum amerikanischen Apparel Arts versteht sich das deutsche Herrenjournal als qualitativ hochwertige und maßgebende Modezeitschrift für Herrenkleidung, vor allem der 30er und 40er Jahre.

Sie wurde ins Leben gerufen durch den wohl bekanntesten und wichtigsten Vertreter deutscher Herrenmode, Baron von Eelking. Die 1927 zunächst unter dem Namen “Der Modediktator” gegründete Modezeitschrift anvancierte rasch zum maßgebenden Standard der Modewelt im In- und Ausland. Nachdem von Eelking kurze Zeit darauf das “Zentralamt für Herrenmode” schuf, später bekannt unter dem geläufigeren Namen “Deutsches Institut für Herrenmode”, diente der Modediktator fortan als Organ dieser wegweisenden und einmaligen Einrichtung.

Gehört man nun zu den glücklichen Besitzern einer Originalausgabe aus den 30er oder 40er Jahren, so wird man feststellen, dass sich das Journal nicht nur ausschließlich mit Mode befasst. Hier wurde dem damaligen Interesse der Leserschaft sowie den vielen Überschneidungen von Mode und Lebenskultur Rechnung getragen, und dem Modemagazin hinsichtlich der gewünschten Vielfältigkeit eine neue Richtung gegeben.

Dies hatte auch eine Namensänderung zur Folge, und so hieß der Modediktator ab 1931 “Das Herrenjournal”, mit dem treffenden Untertitel versehen: “Eine Zeitschrift für Mode, Gesellschaft und die angenehmen Dinge des Lebens.”

Neben dem wesentlichen Schwerpunkt der Herrenmode finden sich nun auch verschiedenste Artikel zur Lebenskultur, so zum Beispiel Buchauszüge aktueller Literatur, Berichte über Kunst wie auch über gesellschaftliche Anlässe. In den Nachkriegsausgaben wird das Herrenjournal um weitere Rubriken wie Persönlichkeiten, Reise, Automobil oder Gastronomie ergänzt. Erwähnenswert sei hier auch die letzte Rubrik, „Der Herrenwitz“ genannt, welcher in den Ausgaben ab den 50er Jahren das Journal mit selbstredend anständigem Humor enden lässt.

Doch wenden wir uns wieder dem roten Faden zu: Dem Modeinteressierten und stilbewußten Herren erschließt sich mit dem Herrenjournal eine an Expertise schwerlich zu übertreffende Modefachzeitschrift. Zu allen erdenklichen Fragen der Mode gint es detaillierte Abhandlungen. So erfreut man sich nicht selten umfangreicher Artikel, in welchen ein einziges modisches Detail behandelt wird, wie beispielsweise der Reversverlauf oder die Schulterlinie der aktuellen Anzugmode, oder die Taillenfrage beim Wintermantel. In der Rubrik “Der Modeberater” in jeder Ausgabe eine stilistische Modefrage besprochen.

Neben solchen Detailbeschreibungen zeigt das Journal die aktuelle sowie kommende Saisonmode, und deckt hier von hochoffizieller Abendgarderobe über formelle und sportliche Alltagskleidung bis hin zum Strandoutfit, alle modischen Bereiche ab. Der Leser wird auch über die modischen Entwicklungen, sowie die neuesten Trends aus dem Ausland informiert. Zu erwähnen seien hier auch die interessanten Vergleiche von hiesigen und auswärtigen Modestandards.

Mit seiner Vielfältigkeit ist das Herrenjournal sowohl für den Modelaien als auch den Experten ein wertvolles Nachschlagewerk, lassen sich doch viele Kleidungsmerkmale und Modestandards auf die heutige Zeit übertragen. Eine wahre Augenweide bereiten die herrlichen Modeillustrationen des Herrenjournals. Als die heute bekannten Hochglanzphotographien noch in ferner Zukunft lagen, sorgten die Graphiken bekannter Modezeichner die Mode äußerst gekonnt in Szene zu setzen. Eine Gemeinsamkeit zur heutigen Zeit sind lediglich die ebenso perfekt gebauten, großgewachsenen und selbstverständlich gut aussehenden “Modeträger” des Journals. Besonders hier kann man sich immer wieder hervorragende Orientierungen für die eigene Garderobe suchen.

Nebenbei erfährt der Leser allerlei Wissenswertes über die deutsche Textilindustrie, Stoffe sowie Manufakturen und Hersteller.

Die Professionalität und Vielseitigkeit des Herrenjournals sowie die Kompetenz des Herausgebers Baron v. Eelking, garantierte eine äußerst lange Präsenz des monatlich erschienenen Magazins. 1942-1949 kriegsbedingt unterbrochen, wurde das Journal  über 60 Jahre herausgegeben. Nach dem altersbedingten Rückzug v. Eelkings büßte das Journal rasch an Qualität ein, so dass es 1987 eingestellt wurde.

Wer sich gerne mit den erwähnten Modezeichnungen befassen möchte, dem sei der Internetblog Gentlemans Gazette wärmstens empfohlen. Hier werden in regelmäßigen Abständen Modeillustrationen der amerikanischen Zeitschrift Apparel Arts der 30er und 40er ganz hervorragend dargestellt, welche denen des Herrenjournals in nichts nachstehen.

Ebenso findet sich hier ein interessanter Beitrag über Baron von Eelking.

//Moritz Kickhöfen//

Bilder: Privatbesitz Herrenjournal Nr.9 1935

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2 Antworten auf Das Herrenjournal

  1. Katrin sagt:

    “Der Modediktator”, der Name würde heute auch auf die eine oder andere Zeitschrift passen.

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