Das Western Shirt – Teil II – Designelemente

H-bar-C Western Shirt. Courtesy of the author

H-bar-C Western Shirt. Courtesy of the author

Westernhemden weisen charakteristische Desingelemente auf. Diese unterlagen während der nunmehr achtzig-jährigen Geschichte mit zeittypischen Veränderungen den verschiedenen Modeeinflüssen. In diesem Artikel werden einige Merkmale der 40er und 50er Jahre betrachtet.

Neben allen Elementen ist mit das wichtigste Merkmal ein hochwertiger Stoff. Er bildet durch Farbe und Muster das Fundament, und garantiert durch seine Qualität eine formschöne Linie und den entsprechenden Sitz des Kleidungsstückes. Die 30er bis 50er Jahre bieten neben allen Arten von Woll -und Baumwollarten hochwertige Kammgarngewebe wie Garbadine, sehr tragefreundliche Satin-Baumwollstoffe, Kunstseide, Viskose, Acetate oder Satin.

Yokes

Der ”Yoke” ist das zentrale und dominante Designelement auf Schulter -und Rückenpartie.

An konventionellen Hemden findet man eine einfache, gerade verlaufende Naht zwischen Schulterpasse und Rückenteil (backyoke). Beim Westernhemd zeichnet sich diese Naht durch eine stilisierte Formgebung aus. Während frühe Westernhemden nur über ein einfaches ”backyoke” verfügen, gewinnt das ”frontyoke” in den späten 30er und besonders während der 40er Jahre mit einer beeindruckenden Form -und Farbenvielfalt erst richtig an Bedeutung. In den 50er Jahren enstehen die ausgefallensten und wildesten Varianten.

Beliebte sind gekehlte, geschwungene oder gezackte ”Yokes”. Ebenso gibt es durch den Nahtverlauf geformte Symbole, wie beispielsweise den ”Fishtail”, die ”Fleur-de-Lys oder das ”Pik”. Kunstvolle Zierstiche (saddle stitch) oder mit einer Schnur eingefasste Ränder (piping) veredeln die Ränder. Yokes unterstreichen durch ihren Verlauf die Konturen von Schultern und Brust und lassen diese kräftig wirken.

Rockmount Ranchwear Western Shirt mit langem, gekehltem Yoke, Steppnähten, diamond snaps, smile pockets mit Pfeilen, 50er Jahre. Courtesy "Rockmount"

H-bar-C Western Shirt mit Appliqué, Stickereien, Smilepockets mit Pfeilen, Piping, Perlmutknöpfe. Leicht gekehltes Frontyoke. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

TwoTone, scalloped yokes, shotgun cuffs, smile pockets, 40er/50er Jahre. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

H-bar-C Western Hemd, single point backyoke mit piping. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Zierstickereien

Die Stickereien zeigen mit der Wild-West-Thematik verbundene Symbole wie Büffel, Pferde, Adler, Revolver oder Spielkarten, häufig auch herrlich gestaltete, florale Muster die für sich allein schon ein Kunstwerk darstellen. Man findet sie auf allen Teilen des Hemdes.

Mit der Chenill Kettenstichmaschine gefertigte Stickereien sind besonders hochwertig. Sie erfordern einen erheblichen Teil individueller Handarbeit und Fertigkeit.

Beim Appliqué werden vorgefertigte Ornamente oder Muster auf das Hemd aufgenäht, mit dem ”saddle-stitching” (Zierstich) werden Konturen hervorgehoben und optisch aufgewertet. Zusätzlich werden Ziersteine in Edelsteinoptik oder Pailletten verarbeitet.

Bei neueren Westernhemden sind die Stickereien meist mit vollautomatisierten Maschinen perfekt gestochen. Der Charakter der Handarbeit geht hier verloren. Hemden der 40er und 50er Jahre weisen die höchste Qualität und Individualität auf.

Aufwändige, florale Zierstickerei auf Yoke und Kragen, 40er Jahre. Courtesy "Rockmount"

H-bar-C Western Shirt mit floralem Appliqué und Zierstickerei, Pailletten und Kristallsteinen. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Brusttaschen

Die Brusttaschen machen das ”finish”, sie komplettieren und runden das Gesamtbild ab. Eine riesige Bandbreite an Taschenarten und Formen sind an Westernhemden zu entdecken. Eine Übersicht:

”Single-Point-Pocket”

Pattentasche mit spitzer Form und einem Knopf. In den 30er und 40er Jahren oft asymetrisch zulaufend. Die häufigste Taschenart am Westerhemd.

”Smile-Pocket”

Die eingelassene, mit schräger Naht versehene Paspeltasche findet sich in vielen Variationen und ist eine der beliebtesten Taschenarten. Sie ist aufwändig zu fertigen und erfordert viel Handarbeit. Oft ist die ”smile-pocket” an den Enden mit gestickten Pfeilen und einem ”piping” entlang des Ausschnitts verziert.

”Sawtooth-Pocket”

Sägezahnform durch zwei oder drei Spitzen. Letztere sind selten, und meinst ab den 50er Jahren anzusiedeln.

Sawthooth flap pocket

''Sawtooth'' flap pocket mit Emailleknöpfen. Courtesy "Rockmount"

H-bar-C Western Shirt, Smile pockets mit Pfeilen, Piping und Steppnaht. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Yoke-pocket ohne Patte. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Glengab Western Shirt, quarter cut flap pockets, shank buttons, 30er-50er Jahre. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Druckknöpfe

Sie entwickeln sich ab den 40er Jahren langsam zum Standard und ersetzen bald die ”shank buttons”. Die Druckknöpfe sind aufwändig und teuer herzustellen, das Material wie Perlmutt, Muschel oder Bakelit wird in einem Metallrahmen gefasst und veredelt. In den 40er Jahren ist nach der runden Version der sechseckige Knopf (hex snaps) beliebt, in den 50er Jahren dann mehr der ”diamond snap”, ein auf der Spitze stehender, viereckiger Knopf. Neben der herkömmlichen Knopfleiste zieren sie Taschenpatten und wirken vor allem an den Manschetten als ein dominantes, wunderbares Detail.

Hex snaps, 60er Jahre. Courtesy "Rockmount Ranchwear"

Wunderschöne, golden eingefasste diamond snaps, 60er Jahre. Courtesy "Rockmount Ranchwear"

Rundgefasster Perlmuttdruckknopf, 40er/50er Jahre. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Kragen

Neben den zwei grundlegenden Kragenarten, dem aufrechten und dem flach liegenden ”Sportkragen”, unterliegen die Formen den zeittypischen Veränderungen, und helfen so bei einer zeitlichen Datierung von Vintage Hemden. Die 40er Jahre weisen die langen und spitz zulaufenden Kragenschenkel auf. Kürzere Schenkel an den flachen Sportkrägen finden sich vornehmlich in den 50er Jahren. Oft findet man sie mit Stickereien verziert.

40er Jahre Kragen mit langen, spitzen Kragenschenkeln. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Manschetten

Zwei wesentliche Merkmale der langen ”Western Cuffs” sind mehrfache Schließknöpfe und der Ärmelschlitz. Bei keinem anderen Hemdtyp kommt den Manschetten eine derartige Betonung zu. Auch hier findet sich die größte Variation in den 40er und 50er Jahren, es sind alle erdenklichen Formen und Gestaltungen zu entdecken.

”Shotgun Cuffs”

Aus einem Stück, aufwändig gefertige Manschette mit vier oder mehr Schließknöpfen. Die Form erinnert an eine Schrotflinte.

”Rectangular Cuffs”

Sehr häufig ist die rechteckige Manschette mit drei Schließknöpfen sowie einem Knopf am Ärmelschlitz.

Rockmount Ranchwear Westernshirt Manschette mit aufwändiger Zierstickerei, 40er Jahre. Courtesy "Rockmount Ranchwear"

Shotgun Cuffs mit Emailleknöpfen ''Courtesy "Rockmount Ranchwear"

H-bar-C Western Shirt, rechteckige 3-Knopf Manschette mit pearl snaps und piping. Hemd aus eigenem Besitz. Courtesy of the author

Fransen

Sie sind indianischen Ursprungs und symbolisieren die Mähne des Pferdes. Durch den dekorativen Charakter kontrastieren Fransen Yoke und Manschetten. Man findet sie in diversen Materialien und Ausführungen.

Herzlichen Dank an Steven E. Weil, President ”Rockmount Ranchwear”, Denver, Colorado, für die freundliche Bereitstellung von Bildern.

Teil III dieser Artikelserie zum Western Shirt wird mit ”Rockmount Ranchwear” sowie ”H-bar-C” zwei der bekanntesten Hersteller von Westernhemden vorstellen.

//Moritz Kickhöfen//

Quellen:

Stephen A. Weil, G. Daniel DeWeese: ”Western Shirts – A Classic American Fashion”

Westernshirts

Stofflexikon

Chenille embroidery

Appliqué

Chain stitch

Dieser Beitrag wurde unter Classy Fashion veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Das Western Shirt – Teil II – Designelemente

  1. DJ Wildgoner sagt:

    Sehr kooler und interessanter Artikel, well done mate!
    Stay hep ´n´rockin´
    Dirk

  2. janett sagt:

    ja, finde ich auch! sehr schöner artikel!!!

  3. Moritz Kickhöfen sagt:

    Vielen Dank! Freut mich das er euch gefällt! Moritz

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>