Das Western Shirt – Teil I – Entstehungsgeschichte

Rockmount Ranchwear Werbeaufsteller. Courtesy of ''Rockmount Ranchwear''

Rockmount Ranchwear Werbeaufsteller. Courtesy of ''Rockmount Ranchwear''

Dieser Artikel gibt eine  kleine Übersicht über die Entstehungsgeschichte des Western Shirts. Kaum eine andere Modelinie war derart durch den Einfluss von Film, Fernsehen und Musik geprägt wie die Western Mode.

Groschen-Romane und erste Filme erschaffen Anfang des 20. Jahrhunderts die Populärkultur des Westerngenres, und mit ihr entsteht ein eigener Modestil. Die Filmkleidung der Cowboys und Revolverhelden hat entscheidenden Einfluss auf die spätere Gestaltung der Western Shirts in den 30er und 40er Jahren. Diese ersten Hemden sind meist aus einfarbigem oder gestreiften Stoff und besitzen einfache Pattentaschen (flap-pockets), klassische Loch -oder Oesenknöpfe, und verfügen nur über einen einfachen ”back-yoke” (stilisierte Rückennaht). Neben verschiedenen Labels fertigt auch Pendleton Hemden in diesem Stil. Die ”Miller Stockman Supply Company” vertreibt in den 30er Jahren über herrlich gestaltete Kataloge als erstes Label Westernmode im kommerziellen Sinne.

1933 entwerfen Jack A.Weil & Phil Miller eine eigene Hemdkollektion mit neuem Design und definieren damit die ”WesternWear”. Jack Weil wird maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklungsgeschichte haben.

Während des zweiten Weltkriegs unterliegt auch die Westernmode den allgemeinen Stoff -und Materialrationierungen, und der noch so jungen Mode wird der moderne Schwung zunächst wieder genommen.

Mit der Gründung der ”Rockmount Ranchwear Manufacturing Company“1946 durch Jack A. Weil beginnt eine erfolgreiche Fimengeschichte, das Unternehmen produziert bis zum heutigen Tage Western Shirts. Zur fast gleichen Zeit entstehen die ebenfalls bekannten Labels ”H-bar-C” und ”Karman”. Denver, Colorado wird durch die Ansiedlung einiger Hersteller zum ”Zentrum” der WesternWear. Levi Strauss & CO, zu jener Zeit noch mit dem Cowboy im Logo, gehört ebenfalls zu den größten Labels.

In den 40er Jahren entsteht eine unglaubliche Vielfalt an Designs, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: gestickte, florale Muster, Ornamente und allerlei mit der Wild-West-Thematik verwandte Motive zieren Western Shirts. Druckknöpfe in edler Optik kommen langsam in Mode und werden später zum Designstandard. Zeittypische Modemerkmale, wie der lange und spitze Kragen, gelten auch beim Westernhemd. Als Schnitt dominiert die längste Zeit das körperbetonte ”slim fitting”.

Die Filmindustrie hat mit der Stilisierung des Westerngenres enormen Einfluss auf die Popularität der Mode. Stars wie Gene Autry oder Roy Rodgers brillieren im Westernhemd, die ersten Fernsehserien wie ”Gunsmoke” und später ”Bonanza” sorgen für eine Modepräsenz im TV. Der Aufschwung der Country -und Westernswingmusik beflügelt in ähnlichem Maße. Bands dieser Zeit sind fast ausschließlich im prächtigen Aufzug auf der Bühne zu sehen. Mit Hank Williams, Webb Pierce oder Hank Snow seien nur drei bekannte Vertreter genannt. Unter all diesen Einflüssen definiert sich die Westernkleidung endgültig als eigenständige Modelinie.

Die 50er Jahre bringen, der allgemeinen Stimmung des Aufschwungs und steigender Lebensfreude folgend, lebhafte Gestaltungen in unendlicher Variation mit sich: ausgefallene, hochstilisierte ”yokes” und Zierstickereien kennzeichnen diese Dekade. Ebenso überwindet die Mode in den 50er Jahren die ”Grenze des Westens”: die mittlerweile zahlreichen Hersteller eröffnen erste Filialen im Osten der USA und WesternWear wird weitläufig zugänglich.

Trotz stetig wachsender Nachfrage ist die Westernmode weiterhin ein Randprodukt. Dies ändert sich in den 70er unter dem erneuten Einfluss von Hollywood: Der Film ”Urban Cowboy” hat eine gewaltige Nachfrage zur Folge und WesternWear wird plötzlich zur Mainstreamware. Auf den Boom folgt 1981 der große Einbruch. Landesweit schließen viele Labels, und die Westernmode findet sich wieder als Randprodukt mit beschränkten, aber stabilen Absatz. Die übertriebenen Designs der letzten Jahre sind nicht mehr gefragt, und mit dem ”Crossover-Stil” entsteht eine Kombination aus klassischen Elementen und Westernelementen.

Seit 2003 produzieren einige Hersteller mit einer neuen, alten Retro-Linie Westernhemden wieder im klassischen Design. Diese Wendung ist durchaus als eine Anerkennung an die Glorreichen Jahre der Gestaltung des Western Shirts und der Herstellungsqualität der 30er-50er Jahre zu verstehen, und steht damit im Gegensatz zur allgemeinen Tendenz der Marktüberflutung mit billigen und vor allem miserabel gestalteten Westernhemden aus dem Ausland. So gibt es auch heute noch WesternWear im guten, alten Stil zu erwerben.

Herzlichen Dank an Steven. E. Weil, President ”Rockmount Ranchwear” Denver, Colorado, für die freundliche Bereitstellung von Bildern.

Wer sich mit der Geschichte des Western Shirts näher beschäftigen möchte, dem sei das herrlich gestaltete und detaillierte Buch ”Western Shirts – A Classic American Fashion” von Stephen E. Weil und G. Daniel DeWeese ans Herz gelegt.

In wöchentlichem Abstand erscheinen die weiteren Teile dieser Artikelserie:

Das Western Shirt – Teil II: Designelemente

Das Western Shirt – Teil III: Bekannte WesternWear Labels: ”Rockmount Ranchwear” & ”H-bar-C”.

Moritz Kickhöfen

Quellen

Stephen A. Weil, G. Daniel DeWeese: ”Western Shirts – A Classic American Fashion”

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