Darf ich vorstellen… Moritz

Moritz, wie kam es zu Deiner Leidenschaft für die 40er und 50er Jahre?

Da ist über die Jahre Eins zum Anderen gekommen. Neben meinem anfänglichen, allgemeinem Interesse für die 40er/50er Jahre rückte neben der Musik die Kleidung dieser Epoche immer mehr in den Mittelpunkt. Im Laufe der Zeit entwickelt man für sich den eigenen Stil, mit dem man sich wohl fühlt. Für mich bestand zunehmend der Wunsch nach Authetizität und entsprechend dahin hat  sich mein Stil geändert. Heute besteht meine Garderobe zu neunzig Prozent aus Originalen der 30er bis 50er Jahre, der Rest ist fast ausschließlich nach alten Schnittmustern reproduziert.

Warum gerade diese Zeit?

Ich fühle mich in dieser Zeit schlichtweg zu Hause. Die 40er und 50er Jahre sind in puncto Mode für mich unschlagbar. In keiner anderen Epoche sehe ich Zweckmäßigkeit und Eleganz so gut vereint. Kleidung hatte zu dieser Zeit auch einen ganz anderen Stellenwert, bedingt durch Gesellschaftsnormen und Dresscodes wie sie heute nur noch bedingt existieren. Die Herrenmode der 40er und 50er besticht durch figurbetonte, elegante Schnitte, tolle Farbkombinationen und beeindruckende Stoffqualitäten. Außerdem bietet sich dem Herren eine Vielfalt an Kombinations -und Kleidungsmöglichkeiten, von vielen kleinen Accessoires, welche heute aus der Mode fast verschwunden sind, ganz zu schweigen.

Bestimmt dieser Stil Deinen Alltag?

Ja, das ist mein Alltag! Ich habe den Anspruch die 40er und 50er Jahre so
authentisch wie möglich zu leben. Natürlich muss man hier oder da Kompromisse schließen, aber grundsätzlich zieht sich das durch alle Lebenslagen und Alltagsbereiche. Was meine Kleidung angeht, so kann ich mittlerweile fast zu jedem Anlass passende, authentische Kleidung tragen. Vom Arbeitsoverall bis zum kleinen Gesellschaftsanzug. Es hat einige Jahre gedauert bis ich mir diesen “Grundstock” an Garderobe zulegen konnte und wirklich fertig ist man damit ja auch nie. Es hat mich immer gestört, wenn ich zu bestimmten Anlässen keine Austattung hatte. Heute erfreue ich mich daran, “jederzeit” authentisch auftreten zu können, sei es in Knickerbocker und Tweetjacket zum Wandern, mit Hut und Anzug zum Ausflug oder mit Ricky Jacket und Bundfaltenhose zum abendlichen
Ausgang.

Hast Du einen Shopping Tipp?

Das ist sehr vielfältig. Auf Konzerten und Festivals bietet sich natürlich immer wieder die Möglichkeit, an Kleidung zu kommen. Was man bekommt ist oft vom Anlass selbst abhängig. Nicht überall gibt es Händler die Vintagekleidung verkaufen. Ein gute Möglichkeit sind oft die Flohmärkte auf den Festivals,  dort findet man schon öfters gute Sachen.
In England ist für mich persönlich die beste Vintagekleidung zu bekommen, auf den dortigen Events findet man in der Regel sehr viele Händler vor. Die prinzipiell einfachste Möglichkeit ist natürlich Ebay. Während es im deutschen Ebay eher Glücksache ist wirklich gute Sachen zu finden, sieht das im britischen, und vor allem amerikanischen Ebay ganz anders aus.
Natürlich gibt es auch eine große Zahl an Vintageläden, die meisten haben ein Onlineportal, auf denen man nach Kleidung schauen kann. Grundsätzlich ist es aber nicht ganz leicht, die wirklich guten Sachen zu finden und dann vor allem auch zu bekommen. Die Größe ist ein Problem; da alles Einzelstücke sind ist das eben Glücksache. Mit Umschneidern ist man gut bedient, damit kann man einiges retten. Der Preis ist ein anderes Problem. Wer nach guten, authentischen Kleidungsstücken sucht, sollte sich im Idealfall damit auskennen und ein Stück bewerten können. Nicht alles, was unter Vintage verkauft wird ist es auch. Und für ein mottenzerfressenes, “ehemals großartiges” 40er Jahre Hemd horrende Summen zu verlangen, nur weil es alt ist, ist natürlich indiskutabel. Möchte man allerdings etwas Spezielles haben, gibt es auch die Möglichkeit sich anhand von Abbildungen, oder im Idealfall von Schnittmustern, etwas nachschneidern zu lassen. Da ist praktisch alles möglich, sofern Aufwand und Investition nicht abschrecken. Hier seien vor allem Szeneleute erwähnt, die mit ihren tollen Reproduktionen und ihrer Arbeit unsere Garderobe bereichern.

Elegant oder sportlich? Mantel oder Jacke? Jeans oder
Stoffhose? Hut oder Mütze?

Alles davon. Das Tolle heute ist, dass wir die Kleidung aller
Gesellschaftsschichten dieser Zeit tragen können ohne an irgendwelche
Reglements gebunden zu sein. So kann  ich im 30er Jahre Worker Outfit weggehen, oder aber auch im schicken Anzug. Und ich nutze die ganze Bandbreite, je nachdem auf was ich Lust habe und was zum Anlass passt.  Ich finde man kann das mit dem heutigen Verständnis von Eleganz und Sportlichkeit auch nicht ungebdingt vergleichen. Die sportliche Alltagskleidung der 40er und 50er ist bei weitem eleganter als die heutige und macht auf jeden Fall viel mehr her. Weitere Möglichkeiten bieten sich in der Wahl zwischen europäischer oder amerikanischer Mode dieser Zeit. Während die amerikanische Mode deutlich legerer, sportlicher und farblich “gewagter” ist, hat die europäische und vor allem  die deutsche Mode, eher konservative, reservierte Merkmale. Das trifft besonders auf die Kleidung der 30er und 40er Jahre zu.

Dein Lieblingsstück?

Ich denke einer meiner 40er Jahre Anzüge, ein schwarzer Zweireiher aus schwerem Stoff.  So ein perfektes Kleigungsstück habe ich bisher kein zweites Mal gefunden. Und natürlich meine Ricky Jackets.

Wo trifft man Dich?

Als Hep Cat zieht es mich natürlich besonders zu Veranstaltungen auf denen ein gewisses Maß an Authentizität geboten wird. Sowohl von der Veranstaltung an sich, als auch bei der Betrachtung des Publikums. Bei der Musik ist es genauso, Authentic Rockabilly, Rock’n'Roll und Rhythm & Blues ziehe ich da gerne vor. Am liebsten besuche ich Veranstaltungen in England, der Rhythm Riot in England ist hier mein Favorit. Aber es gibt noch genug Anlässe die ich noch nicht kenne und die es in Zukunft zu besuchen gilt!

Dieser Beitrag wurde unter Classy People veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>