Handarbeiten mit Fräulein Löckchen

Heutzutage sind Stricken, Häkeln und Nähen Hobbies, die zum Zeitvertreib oder zur Entspannung ausgeübt werden. Aber in den Fünfziger Jahren waren Handarbeiten oft die einzige Möglickeit, an schicke Mode zu erschwinglichen Preisen zu kommen. Und auch die modernen “Shopping-Facilities” waren noch nicht einmal ansatzweise vorhanden. Abgesehen davon war die Versorgungslage in den frühen Fünfziger Jahre noch recht dürftig, das berühmte Wirtschafts-wunder befand sich erst in den Kinderschuhen und  noch immer gab es Städte, in denen der Schutt und die Trümmer der Kriegsjahre das Strassenbild prägten.

So war es selbstverständlich, daß die Hausfrauen und Mütter sich darum kümmern mussten, durch Handarbeit die Familie einzukleiden und das Heim zu verschönern. Da wurden Lampenschirme genäht und bestickt, Kissen und Tagesdecken gestrickt oder gehäkelt und wenn der Wunsch nach einem warmen Winterpullover oder einem schicken Bikini (damals “zweiteiliger Badeanzug” genannt) bestand, dann holte Mutti die Stricknadeln raus und los ging´s!

Verstrickt und vernäht wurde alles, was einem in die Finger kam, oft sogar noch Materialien aus Militärbeständen. Als (ganz ;-) ) kleines Kind trug sogar ich im Winter wollene Strumpfhosen und Ohrenwärmer, die meine Mutter aus aufgeribbelten Wehrmachtspullovern gestrickt hatte. Als Kind der 60er Jahre wärmte mich somit Wolle aus den 40er Jahren, die in den 50er Jahren mithilfe der Stricknadeln ”entmilitarisiert” wurden.

Wer es ganz besonders schick und mondän liebte, entnahm die Anregungen der BURDA-Hefte, die es jeder Frau ermöglichten, sich etwas vom Glamour der internationalen Modewelt in den eigenen Kleiderschrank zu holen. Etwas konservativer waren zum Beispiel die Strickmodelle der Beyers Modeblätter, der die hier veröffentlichten Strickanleitungen entstammen.

Mit etwas Glück kann man heute noch Handarbeitshefte von damals auf Floh- oder Antikmärkten finden, auch bei Ebay kann man fündig werden, dort muss man allerdings teilweise mit gesalzenen Preisen rechnen. Stellt immer sicher, daß die Schnittmusterbögen und die Anleitungshefte komplett, und dem Heft richtig zugeordnet sind, sonst ist die Enttäuschung nachher groß.

Bitte beachtet beim Nachstricken, daß die Kleidergrößen der 50er Jahre nicht unseren heutigen entsprechen. Eine Größe 42 der damaligen Zeit entspricht in etwa einer modernen Größe 38. Die zwei Pullover habe ich nach der Strickanleitung des Eislaufkostüms gearbeitet, habe dabei aber immer einen gut passenden “modernen” Pullover meiner Größe zum Vergleich danebengelegt und während des Strickens geprüft, ob die Teile später die richtigen Maße haben.

Viel Spaß beim Stricken nach Originalanleitungen aus den 50er Jahren wünscht euch Fräulein Löckchen

//Fräulein Löckchen//

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